Aktionen 2005

1. Tag des Plänterwaldes 2005

"Der alte Brauch wird nicht gebrochen..."

Am 12. Juni war es wieder so weit. Spaziergänger, die am Nachmittag zufällig am Eierhäuschen vorbeikamen, trauten Ohren und Augen nicht. Auch in diesem Jahr gelang es den Künstlern des Vereins Theater und Kultur in Denkmälern e.V. (Tukid) und den Tänzern aus Jüterbog, die Illusion zu erzeugen, dieses Ausflugsziel sei nicht tot, sondern atme auch heute noch den Geist Berliner Lebenskraft. "Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier könn'n Berliner Kaffee kochen..." stimmgewaltig und mitreißend erklang das Eingangslied und die provisorisch aufgestellten Bänke waren schnell gefüllt und blieben es für das ganze fast zweistündige Programm. Was da geboten wurde, war Berliner Herz und Schnauze vom Feinsten. Diese Gruppe um die engagierte Sabine Liebisch wird man sich merken müssen; schade für die vielen, die sich dieses kostenlose Spektakel haben entgehen lassen. Lesen Sie dazu auch die Kritik von F.-B. Habel.
Hier einige im Bild festgehaltene Eindrücke:














Die Tänzerinnen und Tänzer der Formation Altberliner Tänze vom Hobbytanzklub Jüterbog bummelten zunächst in ihren Altberliner Kostümen am Spreeufer und gaukelten den Vorübergehenden eine Zeitreise ins 19.Jahrhundert vor. Unter Leitung und Moderation von Henry Denkel wurde die Terrasse des verfallenden Gebäudes dann zum Tanzparkett und das Publikum klatschte im Rhythmus der bekannten alten Melodien. Auch das haben wir im Bild festgehalten













Immer nur einmal im Jahr am "Tag des Plänterwaldes" erfüllt der Platz am Eierhäuschen auch seine natürliche Bestimmung, den Wanderer gastlich zu bewirten. Und das sah diesmal so aus:












Ja, "der alte Brauch wird nicht gebrochen," dass es immer wieder Berliner gibt, die sich nicht von seelenlosen Bürokraten und volksfernen Senatorinnen davon abhalten lassen, das von Generationen Ererbte zu schützen und sinnvoll zu entwickeln. Vielen Dank an alle Künstler, die mit ihrer Arbeit unser Ziel zur Erhaltung und zweckgemäßen Nutzung des alten Eierhäuschen unterstützt haben. Dabei geht es nicht nur um das Eierhäuschen, das als Ausflugslokal im Wald für die vorbeiziehenden normalen Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer erhalten werden soll (und dazu braucht man nicht eine besondere Erschließungslogistik, der noch die letzten Bäume der Umgebung für nur reichlich Parkplätze geopfert werden müssten!), nein es geht um den ganzen relativ kleinen Plänterwald und die gesamte wunderschöne Erholungslandschaft mit Treptower Park, Insel der Jugend und Rummelsburger Bucht. Unsere Bürgerbewegung kämpft seit Jahren gegen die Pläne, im Wald ein hochindustrialisiertes Vergnügungsstadtviertel einzurichten und dazu einen Stadtstraßenzugang mit voller Kanalisation zu bauen und im Wald ein Parkhaus wie am Bahnhof Schöneweide zu bauen. Die Bevölkerungszahl Berlins geht zurück, wir brauchen keine neuen Stadtviertel, aber wir brauchen die Steigerung des Wohnwerts des Vorhandenen.

Über 100 Jahre gelang es, diese kleine Waldstück mit seiner hohen ökologischen Bedeutung vor kommerziellen Zugriffen zu schützen. Bis 2002 geschah das mit der Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, zu deren Aufgabe ja auch der Umweltschutz gehört. Frau Senatorin Junge-Reiher ist leider voll auf die Vermarktungsstrategie eingeschworen. Gespräche mit Bürgervertretern hat sie und ihr Vorgänger seit zwei Jahren mit jeweils fadenscheinigen Ausreden abgelehnt. Diese Senatorin braucht keine Bürgermeinung zur Entscheidungsfindung. Hätte sie zum Tag des Plänterwaldes am immer umringten Informationsstand vom Verein zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz in Berlin e.V. gestanden und zugehört, brauchte sie keine Befragungsinstitute zur Einschätzung ihrer Arbeit. Viele Bürger, die vorbeikamen, kannten und unterstützten unser Anliegen, andere erfuhren erst von uns über das Problem, aber keiner war dabei, der die waldzerstörerischen Tivoli-Pläne des Senats gut geheißen hätte.

Unser "Tag des Plänterwaldes" bot weitere Höhepunkte. Am Vormittag wanderten Naturliebhaber unter sachkundiger Führung von Frau Protze vom Amt für Umwelt und Natur Treptow-Köpenick durch das Landschaftdschutzgebiet Plänterwald. Die anwesenden Kinder staunten , wie interessant es ist, etwas über das Leben der Fledermäuse hier in unserem Wald zu erfahren. Man sieht sie kaum, und doch müsssen die Menschen etwas tun, um diese wundersamen Tiere hier zu schützen. In der Waldschule angekommen, gab es Tee und Kaffee und eine Wanderausstellung über die Fledermäuse rundete dieses lehrreiche Erlebnis ab.

Unsere Waldschule im Plänterwald hat sich dank aktiver Mitarbeiter unter Leitung von Frau Fabian - angefangen bei den Jüngsten - zu einer guten Adresse der Naturverbundenheit der Treptower Stadtbewohner entwickelt. Wenn erst die geplante Autostraße direkt neben dem Waldschulgelände durch den Wald schneidet, werden die Kinder auch hier nur Großstadt erleben.

Am Nachmittag setzte die Waldschule selbst ihr Programm fort mit Kräuterveranstaltungen unter dem Motto"Doktor Wald – Wildwachsendes schmeckt gut und tut gut!" Kräuterquiz und Kostproben aus der "Kräuterküche" waren unterhaltsam für die ganze Familie.

Natürlich übersahen einige Berliner, die von den etwas lauteren Veranstaltungen der Treptow-Köpenicker Festwoche angezogen waren, was man hier im Wald erleben konnte.
Auch Stadt- und Bezirkspolitiker machten sich rar. Das gilt nicht für Frau Jutta Matuschek (Mitglied des Abgeordnetenhauses für die PDS), die seit Jahren die Bemühungen der Bürger um den Plänterwald unterstützt und auch am 12. Juni 2005 - wie immer am Tag des Plänterwalds – unser solidarischer Gast war.

Manfred Mocker für die Bürgerbewegung „Pro Plänterwald“

akttuelles Flugblatt H I E R als PDF downloaden!



Unser Gast Herr Frank-Burkhard Habel schrieb
"Hier können Familien Kaffee kochen!"

Als gestandene Unterstützer des Anliegens von Tukid e.V. trat zum Tag des Plänterwalds bereits zum zweiten Mal eine kleine Truppe um die rührige Schauspielerin und Regisseurin Sabine Liebisch auf.

Die drei Damen und ihr musikalischer Begleiter boten auf der maroden Terrasse des Eierhäuschens ein altberliner Programm, das von Fredi Siegs "Zickenschulze" bis zu Wencke Myrrhes "Knallrotem Gummiboot" viele freche Sprüche und schmissige Lieder zu bieten hatte. Die drei Damen stellten eine Mutter (herrlich Edith-Charlotte Kuczka vom Zimmertheater Karlshorst) mit ihren Töchtern in einem altberliner Ausflugslokal dar, und nur gelegentlich kam auch der Vater zu Wort (Bernfried Schön, der ansonsten das "Orchester" am Akkordeon markierte).

Besonderen Applaus erhielt Bärbel Röhl, die als Star des Staatstheaters Cottbus nach der Veranstaltung im Plänterwald mit fliegenden Fahnen nach Cottbus reiste, wo sie sich am Abend ein weiteres Mal verausgabte.

Das Programm "Hier können Familien Kaffee kochen!" zog an diesem regnerischen Tag doch zahlreiche Besucher an, die sich an den Ständen über die Möglichkeiten zur Rettung des Eierhäuschens informierten.
F.-B. Habel

2. Protestpostkarte Winter 2004/2005